Zugegeben, die Frage ist rein rhetorischer Natur. Selbstverständlich würde ich in einem Team meines Bundeslandes starten, wenn ich gefragt würde (und sofern keine anderen Gründe wie Verletzungen oder Termine dagegen sprechen). Aber was würde das auch groß bedeuten außer der – zeitlich begrenzten – Zugehörigkeit zu einer Verbandsauswahl.

Leider ist der Sport nicht immer so unschuldig. Das beginnt bei Aktiven, die sich je nach Opportunität die eine oder andere Staatsangehörigkeit andienen lassen – die eines starken Verbandes, wenn es dem eigenen Marktwert hilft oder eines eher schwachen, wenn es darum geht, überhaupt die Chance auf internationale Teilnahmen zu sichern. Es umfasst Fans, die immer noch nicht unterscheiden können zwischen ernsthaft betriebenem Sport und mit allzuviel sportlicher Wonne betriebenem, gewalttätigem Ernst. Und dieses Phänomen ist keinesfalls auf die internationale Ebene (wie vergangene Woche wieder beim Entscheidungsspiel der Fußball-WM-Qualifikation zwischen Ägypten und Algerien) beschränkt, sondern reicht hinab bis in die Niederungen der Regional-, Ober- und Verbandsligen.

Und dann gibt es noch die Fälle, in denen Sportler mit ihrem Auflaufen für ein bestimmtes Team selbst ein nationales Bekenntnis ablegen. Wievielen ambitionierten Jungsportlern mag es gut zupass gekommen sein, dass es anstelle eines „jugoslawischen“ plötzlich 4, nämlich je ein slowenisches, ein kroatisches, ein servisches und ein bosnisches Nationalteam gab? Nicht allen sollte man hier Feuereifer für die „Nationale Sache“ unterstellen. Aber ein wenig wenig nachgedacht wurde schon, gerade von den Sportoberen, deren Slogan „Sport verbindet“ hier ebenso durch die Realitäten wie vor allem auch durch eine wenig idealistische Politik der zügigen Anerkennung torpediert wurde.

Ein auf den ersten Blick weniger krasser Fall bahnt sich gerade auf der iberischen Halbinsel an: im Zusammenhang mit einem Referendum zur weiteren Aufwertung des Katalanischen zugunsten des kastilischen Spanisch wird der bisherige Präsident des FC Barcelona, Joan Laporta, als Bürgermeisterkandidat für die katalanische Metropole von allen autonomiebeseselten Parteien umworben. Das höchstmögliche Ziel (der radikalsten Parteigänger) war auch bereits in der internationalen Presse zu erfahren: „Ein unabhängiger Staat Katalonien als Mitglied der Europäischen Union.“ Natürlich kann auch der Sport dazu beitragen, schwachen politischen Positionen den Rücken zu stärken. Nur sollte er dann nicht unschuldig tun. Und auch nicht zu weit gehen.

Bild: Jens Bredehorn/pixelio.de


Das getestete Funktionsshirt hört auf den Namen „Thermo-Bodyguard“. Es wurde im Rahmen der (Vor-)Testaktionen der Internetplattform Netzathleten angeboten. Preis mit den obligatorischen 20% Rabatt: 24,90 Euro zzgl. 2,90 Euro Versandkosten.

Damit war die Anschaffung nicht eben ein Schnäppchen, den Ausschlag zum Kauf gab allerdings neben der Hoffnung auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis die bestellte Farbe: Lemon green.

Nach der Bestellung dann die Enttäuschung bzw. das Vergessen: fast 2 Wochen, nachdem ich im Internet geordert hatte, erhielt ich eine Mail, dass es wegen der großen Nachfrage zu Lieferverzögerungen gekommen sei. Zwei Tage später hatte ich mein Exemplar dann endlich in der Postbox.

Erster Eindruck: Die limonengrüne Farbe hebt sich angenehm von rot/lila/rosé des typischen Damen-Sportunterwäschesortiments ab. Das Shirt (Damenmodell) ist leicht tailliert, besondere Webformen an der Körperseite und den Ellbogen lassen ein durchdachtes Konzept erahnen.

Passform: Schon bei der Bestellung nach Größentabelle hatte ich mich gewundert, dass bereits ab einer Körpergröße von 1.72m Größe „L“ gewählt werden sollte. Da ich aber zudem noch ein recht breites Kreuz habe, hielt ich es für geboten, dieser Empfehlung zu folgen. Im Ergebnis liegt das Shirt vor allem in Rippen- und Bauchhöhe nicht wirklich eng an. Zudem ist es deutlich zu lang, geht bis über den Po. Allerdings dürfte es an den Achseln nicht enger sein. Wahrscheinlich einfach nicht für mich gemacht!

Tragekomfort: Der Stoff ist vergleichsweise dick, vermittelt aber sofort beim Hineinschlüpfen ein angenehmes Wärmegefühl. Leider tragen sich dafür die oben erwähnten „Dehnfalten“ sehr unangenehm – es kratzt auf der Haut. Und mit Fleeceshirt drüber verselbständigt sich das Thermo-Bodyguard und bildet überall kleine Wülste, die minütlich glatt gezogen werden müssen.

Sonstiges: Ein weiterer interessanter Punkt ist die Verpackung. Außer auf Polnisch und Russisch werden die Produkteigenschaften dort glücklicherweise auch auf Englisch beschrieben. Allerdings gibt es weder Benutzungshinweise (wie z.B. First oder Second Layer) noch eine Pflegeanleitung. Hervorzuheben ist auch die Temperaturgrafik: aus ihr geht nur hervor, dass die Umgebungstemperatur, bei der das Shirt warm hält, umso geringer sein darf, je intensiver die körperliche Aktivität ist…

Auch wenn sich die Marke Bodyguard mit einem Schweizer Kreuz schmückt, ist sie von dem selbst gesetzten Qualitätsstandard noch meilenweit entfernt. Das Passformthema ist geschenkt (weil individuell), Farbe und Machart ansprechend, aber kratzen auf der Haut sollte Sportkleidung auch im nicht vorgewaschenen Zustand nicht. Ich schick’s also zurück!

 


Notbremse!

15Nov09

Es war eine denkwürdige Ausfahrt mit meinem Crossrad heute. Das Wetter war für Mitte November ungewöhnlich warm, und die tiefstehende Sonne schien rotgold durch die fast entblätterten Birken, die die Radwege nördlich von Braunschweig säumen.

Sportlich war das Ganze unspektakulär: knappe 60 Kilometer auf flachem Terrain und in ruhigerem Tempo, dazwischen zwei physische Notbremsen, einmal, weil ich von der Polizei angeblökt wurde (von wegen Radweg benutzen…), ein anderes Mal, weil ein eben solcher mit der üblichen Macke aufwartete, zuerst an einer hohen, dichten Hecke eine Kurve mit dem gefühlten Radius von 70 Zentimetern zu machen, um dann an einer unabgesenkten Bordsteinkante mitten in der Pampa zu enden…

Nach dem vielen Training und meiner relativen Zurückhaltung in Sportangelegenheiten vergangene Woche fiel mir das Fahren leichter, als ich es von meinen Trips zur Arbeit in Erinnerung hatte. Wäre es nur um das leise Bedürfnis gegangen, gelegentlich einen Gang runterzuschalten und die paar Anstiege (über Kanalbrücken) zügig, aber nicht explosiv zu fahren, ich hätte es einfach auf die Blutspendeaktion vom Donnerstag schieben können.

Aber da war etwas anderes, ein dumpfes Gefühl in der Brust, das sich im Angesicht der goldenen Wintersonne im Südosten über abgeernteten Feldern und mit der Aussicht auf ein gemütliches Mittagessen bei Oma zu einem Kloß im Hals empordrängte. Sicher, nach zweieinhalb Stunden im Sattel würde ich mich wacher und irgendwie auch wohler fühlen. Ich verlor rein gar nichts gegenüber der einzig denkbaren Alternative, mich noch einmal im Bett umzudrehen, und ich bekam die Natur und die Schönheit der Jahreszeit mit einer Intensität zu spüren, wie sie ohne dieses kleine Zugeständnis an Anstrengung und Entbehrung wohl nicht zu haben ist.

Dennoch: es war nicht in erster Linie mein Körper, der müde war (auch wenn die Kniegeschichte wohl weiterer Beobachtung bedürfen wird). Es sind

  • mein Kopf, der nach anderem dürstet und
  • meine Seele, die Ausgleich nicht ausschließlich in körperlicher Verausgabung finden kann

die mich zur Vernunft rufen.

Und so war es ein Aus“ritt“ im Genusstempo, der mir vieles klar vor Augen führte, weil es in dieser sonntagmorgendlichen Bewegungseinsamkeit über mich kam:

  • Laufen (und Sport) ist nicht alles
  • ich muss mir nichts beweisen – schon gar nicht sofort
  • andere Aufgaben warten auf mich
  • andere Interessen wollen gepflegt werden
  • mein Körper braucht eine Pause und
  • meine Freunde haben es verdient, dass ich wieder mehr Zeit mit ihnen verbringe.

Vor allem aber:

  • dies ist die Gelegenheit, alte Fehler nicht zu wiederholen
  • ich kürze mein Laufprogramm auf ein vernünftig-realistisches Maß und
  • verschiebe das 100-Meilen-Debüt.

Für mein Bloggen heißt das erstmal gar nichts; außer dass ich – wie angekündigt – mehr von und über andere Interessen berichten werde.