Winterfreuden

04Jan10

Darauf hatte ich schon lange Lust gehabt. Hätte allerdings ein Freund nicht eine E-Mail rumgeschickt, wer am Sonntag mit zum Skilanglauf in den Harz kommen wollte – ich hätte mir die Nachteile als da wären: Ski aus Mutters Keller holen, Ski wachsen, Proviant einkaufen, früh aufstehen, heißen Tee zubereiten, Auto von Schneemassen befreien, auf rutschigen Straßen das Ziel ansteuern, sich Unfallgefahren aussetzen, zwischen Schneebergen und Blechlawinen (k)einen Partkplatz finden und schließlich statt Einsamkeit nervige Mit-Outdoorsportler anzutreffen – in den finstersten Farben ausgemalt, und wäre nicht gefahren.
Um 6:45 Uhr klingelt der Wecker. Eine ungewohnte Zeit für mich, noch dazu nach so langen Ferien an einem Sonntag, aber ich schleppe mich aus dem Bett. Die „Vorbereitungen“ laufen wie geschmiert. Um 20 vor 8 bin ich bereit – für die sms einer Freundin, die eigentlich um Viertel vor bei mir sein sollte und sich wegen Glätte um einiges verspätet.

Aber dann: schnell wische ich die immerhin 15 Zentimeter Schnee der letzten Nacht von meinem Fahrzeug. Und schon rutschen wir los. Die Straßenverhältnisse haben sich im Vergleich zum Vorabend noch einmal verschlechtert. In der Stadt ist selbst auf den Hauptstraßen kein normales Fahren mehr möglich; so heften wir unsere Hoffnung auf die Autobahn… die uns auch mit dicken Schneematsch-Haufen über teilweise festgefahrener Schneedecke enttäuscht. Schneller als 60 traue ich mich auf solch einem Untergrund nicht zu fahren. Und schließlich werden wir auf 30 gebremst, da der Schneepflug nun endlich – in Sichtweite vor uns – unterwegs ist.

Zumindest haben wir so Zeit für anregende Gespräche, und als wir nach Goslar hineinfahren, lassen wir uns von den Schneemassen, die die Bäume verzaubern und den Unterschied von Straße und Fußweg unkenntlich machen, verzaubern.

Die anderen Freunde warten schon auf uns – 30 Minuten hinter dem vorgesehenen „Plan“. Was soll’s, ist ja Freizeit. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir uns, nicht das jetzt sicher schon überlaufene St. Andreasberg, sondern das nächstgelegene, etwas verschlafenere Altenau anzusteuern. Eine gute Entscheidung, denn hier gibt es noch Leih-Ski für diejenigen, die keine eigene Ausrüstung besitzen, und die Loipe verläuft in drei ineinander verschlungenen Runden von 2,5 – 4,5 und 8,5 Kilometern, so dass alle Könnens- und Konditionsstufen auf ihre Kosten kommen und dennoch irgendwie „gemeinsam“ Skifahren.

Das Wetter ist zunächst bedeckt und schneefrei, dann kommt gelegentlich die Sonne heraus und schickt ihre orangenen Strahlen über die Schneeflächen, die rein glitzern wie am ersten Tag. Jenseits des Hangs stehen schneebeladene Fichten – ein Traum der Natur in bodenständigem Dunkelgrün und „massivem“ weiß. Ich gönne mir des Öfteren Pausen, komme nicht so richtig in Schwung, da ich a) meine Ski falsch gewachst habe und b) mein „blödes“ Knie Ärger macht. Langlauf – eine gelenkschonende Sportart?

Nach dreieinhalb Stunden in der Loipe ist unser kleines Grüppchen dann erschöpft. wir suchen ein Café-Restaurant auf, in dem von hausgemachten Torten bis deftiger Pistenstärkung jede(r) auf seine/ihre Kosten kommt, unterhalten uns und sind gut gelaunt. Für mich haben diese Orte immer etwas von Zeitreise. Nicht nur, dass es die gängigen Urlaubsorte der Großelterngeneration waren, als sie unser Alter hatten. Vor allem scheint dort auch ganz real die Zeit stehen geblieben zu sein, wenn es „belegte Brote“ statt „Sandwiches“, „Schwarzwälder Kirsch“ statt „Banana Muffins“ oder Schnitzel statt Burger gibt, das alles in der Tapete mit diesen unsäglichen grüngrauen Pflanzenranken auf Beige. Aber es passt. Auch das ein Teil der „Winterfreuden“!



6 Responses to “Winterfreuden”

  1. 1 Gerd

    Ich hätte jetzt auch auf Gelenkschonung getippt!?!
    Aber wie es aussieht ist das doch nicht so der Fall. Jedenfalls hat es anscheinend doch richtig Spaß gemacht und ist auf jeden Fall mal eine Abwechslung!
    Gruß Gerd

  2. 2 Hannes

    Das erste was hier in meinem Kopf rumrattert: Ich will auch! Ich will auch SkiLanglaufen. Ich will, Ich will, Ich will.

    Ich freue mich für dich, dass du dich hast überwinden lassen. Es hat sich sichtlich gelohnt!

  3. 3 Ralph

    Skilanglauf würde mich auch mal reizen! Aber ich besitze keine Ski, und ich galube ich war 10 als ich das letzte mal auf Brettern gestanden habe🙂 Dir hat es jedenfalls spaß gemacht und das ist toll!

  4. 4 Evchen

    Hammer!
    Ans Langlaufen hab ich zwar nicht die schönsten Erinnerungen, weil ich mir dabei das erste und bisher einzige Mal das Steißbein angeknackst habe, aber Schnee, „altbacken und urig“, Abfahrt….joa. Charmant. Du hast meinen vollen Rheinländerneid.😉

    Wie machst dich das denn bemerkbar, wenn Du die Skier falsch gewachst hast? Fluppt es dann nicht so? Und heißt das, Du hast dann z.B. in die falsche Richtung abgezogen oder wie kann ich mir das vorstellen?

  5. @Gerd:
    Ich bin auch froh, dass ich mich zum Hibfahren und Skifahren durchgerungen habe. Aber ich bin eben manchmal eine Umstandskrämerin, die sich die Vorbereitungen in den schlimmsten Farben ausmalt. Mit der Gelenkschonung weiß ich auch nich. Bringt wahrscheinlich nix mehr, wenn der Knorpel schon wech is’…

    @Hannes:
    „Mich überwinden lassen“ – das merk‘ ich mir. Ansonsten kam mir in den Kopf, dass wir ja eine Skilanglauf-Bloggerwanderung machen könnten. Das Bloggertreffen steht ja eh noch aus.

    @Ralph:
    Bei Abfahrt kann ich verstehen, wenn man das nicht unbedingt machen will nach so langer Zeit. Aber Langlauf ist da ja eher harmlos, sofern man sich schön an die „blau“ ausgezeichneten Pisten hält.

    @Evchen:
    Ist „Rheinländerneid“ was Besonderes?? Mit falsch gewachst meinte ich, dass ich vermutlich nicht genug bzw. nicht auf einer genügend großen Fläche (der Ski-Unterseite) gewachst habe. Demnach blieb ich beinahe stehen, sogar bergab und hatte praktisch keine Gleitphasen. *anstrengend*

  6. 6 Marco

    Langlaufen habe ich als Kind und Jugendlicher auch immer gerne betrieben. Ist mit der Zeit aber eingschlafen das ganze.
    War früher als Kind oft in Obersdorf zum Langlauf.
    Kommt es mir nur so vor oder lag früher viel mehr Schnee als heute?

    Gruss
    Marco

    P.S. Frohes Neues Jahr


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