Per aspera ad ipsum

22Jan10

Gerade bin ich gelaufen. Zum dritten Mal an drei Tagen. 15 Kilometer habe ich heute „abgerissen“. Dabei ist der Punkt noch nicht wieder erreicht, wo es einfach läuft, wo ich mich gehen lassen kann und ohne merkliche Schwierigkeit in dem, was ich tue, aufgebe.

Doch es sind gerade diese Momente, in denen jeder Lauf, ja fast jeder Schritt infrage gestellt zu sein scheint, in denen mir das Laufen am meisten gibt. Denn etwas zu tun, dass unmittelbar Spaß bringt, ist einfach. Unbeschwert laufe ich aus dem Haus und kehre freudig zurück, unterdessen die Zeit und der Untergrund wie im Flug an mir vorbeiziehen. Aber wie wenig nehme ich auf lange Sicht davon mit?

Das, was ich heute, gestern und vorgestern erlebt habe, wird überdauern. Denn um zu laufen, obwohl die Befürchtung im Raum steht, es könne diesmal nicht der reine Lustgewinn sein, fordert einiges: die Überwindung, sich überhaupt aufzumachen; das Durchhaltevermögen, nicht unterwegs spatzieren zu gehen oder vor dem Scheitelpunkt der geplanten Runde kehrtzumachen; die Motivation, alle vorhandenen und notwendigen Fähigkeiten anzuwenden, zumal bei schwierigen Streckenverhältnissen. Und über allem steht das überzeugte Festhalten daran, dass sich – wenn schon keine besseren kommen – auch die schlechten Tage, die schlimmen Läufe irgendwann gelohnt haben werden.

Im Grund verhält es sich im Leben vielfach so: um Erfolge, gar Sternstunden zu erleben, sind lange Zeiten der Übung notwendig, nicht selten gepaart mit Langeweile, großen Anstrengungen und Entbehrung mancher angenehmen Alternative. Ich glaube, die wenigsten Menschen können das intuitiv. Wo, wie man angeblich „das Lernen lernen“ muss, muss man auch „das Üben üben“.

Mit der Übung aber – und der Übung der Übung -, kommen wunderbare Chancen. Chancen nämlich, gesetzte Ziele zu erreichen. Chancen, im Erreichten glücklich zu sein und stolz darauf, es durch eigene Anstrengung geschafft zu haben. Das hat wenig mit Ego-Trip zu tun und viel mit dem ganzen Menschen. Denn wir alle streben nach etwas, und wenn wir nur die kleinste, aber realistische Chance sehen, dieses zu erreichen, gehen wir im doppelten Sinne auf: Wir werden eins mit dem, was wir tun. Und wir werden offen für andere, mit denen wir uns selbst teilen in dem, wonach wir so sehnsüchtig streben. Die positive Psychologie nennt das „Selbstwirksamleitsüberzeugung“, und schreibt dem Phänomen äußerst heilsame Wirkungen zu gegen Stress, Ängste und was dergleichen moderne Plagen mehr sind.

Ein kleiner Wehmutstropfen scheint zu sein, dass sich Anstregung und Unannehmlichkeit nicht vom Erfolg, oder besser: vom erfolgreichen Erfolgserleben abtrennen lassen. Meint: „Ich kam, sah, und siegte.“ kommt in Wirklichkeit ziemlich selten vor. Fast immer heißt es: „Durch Anstrengung zu sich selbst.“



3 Responses to “Per aspera ad ipsum”

  1. 1 Gerd

    “Durch Anstrengung zu sich selbst.”
    Das passt zu mir. Ich hatte bisher noch nie das Gefühl das es „einfach so läuft!“
    Kommt vielleicht irgendwann mal!😉

  2. 2 Evchen

    Ah, das paßt gerade sehr gut zu meiner Stimmung. Danke für den Denkanstoß.

  3. Hallo ihr zwei,
    habe euch nicht vergessen!
    @Gerd: Ob du’s glaubst oder nicht, mir geht’s genauso, auch wenn immer alles einfach aussieht!

    @Evchen:
    Geht zur Zeit wohl vielen so. Das Wetter, die neue „Saison“, für die man erstmal in Schwung kommen muss…


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