Im Gespräch bleiben

09Mrz10

Ich kenne jemanden, der beendet fast jeden längeren Kontakt mit den Worten: „Wir bleiben im Gespräch.“ Ich habe das lange Zeit für eine höfliche Floskel gehalten, und das ist es teilweise wahrscheinlich auch. Aber dann begegnete ich noch einem. Es ging darum, wie man menschen in einer – nicht nur finanziell – prekären Lage helfen könne. Und was war der Tenor seiner Worte? Richtig, im Gespräch zu bleiben, den Austausch, die Verhandlung zu suchen mit denen, die einem eventuell das Leben schwermachen könnten.

Sicherlich ist das kein Allheilmittel. Es gibt Leute, die wollen einem um jeden Preis Steine in den Weg legen. Und je mehr man sich da in der Kommunikation öffnet, um sehr mehr Einfallstore bietet man deren finsterem Opportunismus. Aber ich denke, es gibt auch einen großen Teil anderer. Und wenn ich mir vorstelle, eine solche andere zu sein, die sich irgendwie zu einem Gegenüber verhalten soll, dann würde mir eine Kontaktaufnahme eine wohlwollende Reaktion sehr viel leichter machen.

Die Möglichkeit, zunächst einmal vieles im Gespräch zu klären, ist ja auch eine zivilisatorische Errungenschaft. Wenn man ganz früher, als es noch keine Autos gab, das Auto von Fred Feuerstein demoliert hätte, wäre dessen Horde gekommen, hätte einem eins über die Rübe gezogen, die Höhle gebrandschatzt, die Vorräte ausgeraubt und die Sippe umgebracht oder versklavt. Heute schreibt man einander mehr oder weniger deutliche Briefe, kann, was schlimmstenfalls auf einen zukommt, mit einem gewissen Orientierungswissen von vornherein abschätzen und neben dieser partiellen Unannehmlichkeit sein Leben ohne allzu große Angst weiterführen.

Immer, wenn ich es schaffe, mir das klarzumachen: dass etwas wirklich richtig schlimmes eigentlich nicht zu erwarten ist, habe ich auch eine reelle Chance, meinen Standpunkt nachvollziehbar darzulegen. Und damit sogar den (nicht sooo schlimmen) schlimmsten Fall abzubiegen.

Wenn ich früher hängenden Hauptes nach Hause kam, fragte mein Vater immer irgendwann im Laufe des panikgetriebenen Ereignisberichts: „Und, hast du jemanden umgebracht?“ Hatte ich natürlich nicht und hab‘ auch für die Zukunft keine Verbrechen vor. „Dann lässt es sich bestimmt regeln.“ Meine ich auch. Also, bleibt im Gespräch!

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