Wie man (k)ein Exposé schreibt

02Sep10

Wer promovieren möchte, denkt wahrscheinlich bereits im Vorfeld lange über die Frage nach, wie es wohl ist, dieses lange Pamphlet namens Dissertation zu verfassen. Eher weniger durchdacht, besprochen und zerredet wird demgegenüber (selbst in einschlägigen Ratgebern) das so genannte Exposé.

Exposé???

Dabei fangen die Schwierigkeiten schon damit an, dass nicht in allem, was Expoé heißt, auch dasselbe drin ist. Manche schreiben eines nur für sich, andere für den Doktorvater oder die Arbeitsgruppe, manche bewerben sich damit bei Stiftungen und wieder andere – zu denen ich mich zähle – müssen es bei der Uni einreichen, um formal als „Doktorand/in“ im jeweiligen Fachbereich angenommen zu werden.

Relativ einfach ist es noch, an die äußeren und formalen Vorgaben zu gelangen. Eine Frage an meinen Doktorvater, schon wusste ich, dass ca. 20-40 Seiten in der üblichen Typographie (12pt, 1,5-zeilig) erwartet waren.

Was soll ich bloß schreiben?

Schwieriger ist die inhaltliche Komposition des Schriftstücks, mit dem man sich immerhin seinen zukünftigen (potenziellen) Prüfern vorstellt, und das auch einem selbst dazu dienen soll, sich den Rahmen des geplanten Projekts klar vor Augen zu führen. Typischerweise enthält ein Exposé folgende formale Gliederungspunkte:

  1. Kurze (Darstellung) der eigenen Forschungsfrage
  2. Stand der Forschung
  3. Methode
  4. Zeitplan

Die Forschungsfrage ist eigentlich die Quintessenz der beiden anderen Punkte. Indem sie zuerst dargestellt wird, soll die Aufmerksamkeit der Gutachter gewonnen und auf den „springenden Punkt“ des Vorhabens gelenkt werden. Wie genau man „seine“ Forschungsfrage findet, ist ein Thema für einen eigenen Beitrag.

Im Stand der Forschung fasst man zusammen, was andere im selben bzw. verwandten Fachgebieten bisher herausgefunden haben. Da sich dies beliebig weit treiben lässt, lohnt sich eine Systematisierung der rezipierten Ansätze und ein konsequentes Aussortieren je nachdem, ob sie in unmittelbarem Bezug zu dem behandelten Thema stehen oder nicht. Da ihr euch im nächsten Schritt darüber auslassen müsst, lohnt es sich, hier gegebenenfalls auch methodisch verwandte, aber inhaltlich nicht einschlägige Studien anzuführen. Selbstverständlich sollte man auch bei den inhaltlich einschlägigen Beiträgen etwas über den Forschungsansatz sagen.

Im Abschnitt Methode schildert ihr schließlich, wie ihr die weiter vorn benannte Forschungsfrage beantworten wollt. Dazu gehört erstens eine Einordnung eurer Methode in Bezug auf bekannte Ansätze (bzw. ggf. eine Abgrenzung von diesen). Ich zumindest habe zweitens auch beschrieben, wie ich mir den konkreten Ablauf des Projekts, also Art der verwendeten Daten, Datensammlung und -auswertung, hierzu Rückgriff auf bestimmte Ansätze, vorstelle.

Dies kommt euch im Anschluss zugute, wenn es darum geht, euer Vorhaben in einen Zeitplan zu gießen. Dieser muss nicht extrem detailliert sein, Angaben zur Dauer in (halben) Monaten bzw. voraussichtlichen Anfangs- und Enddaten einzelner Aktivitäten waren in meinem Fall völlig ausreichend. Der Zeitplan sollte logisch aufgebaut und einigermaßen realistisch sein, wobei wahrscheinlich jeder Gutachter weiß, dass wir „Newbies“ uns immer zu viel vornehmen. Im Zweifelsfall vorher den Doktorvater fragen, für wie realistisch (oder taktisch klug) er eure Zeitplanung hält.

Durchhalten!

Auch wenn es kürzer ist als die eigentlich Dissertation: Das Schreiben eines Exposés ist ein ganz schönes Unterfangen. Allerdings lohnt sich die Mühe auch, denn alle Zweifel, Inkongruenzen und Stolpersteine, auf die man in dieser Phase schon stößt – und die man beseitigt – bleiben einem im späteren Verlauf erspart😉



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