Hase gegen Igel – Teil 2

06Sep10

Wer so laufen kann, darf natürlich auch mal richtig feiern. Schon als wir uns zum Start aufmachen, heizen die zwei Jungs und das Mädel vom Grill richtig ein. Und jetzt, wo die letzte Läuferin der letzten Staffel fair ins Ziel geklatscht wurde, wir uns alle einmal freudig umarmt und unsere „Teamchefin“ Birgit uns mitgeteilt hat, dass der Oberchef von der Laufbar auch richtig zufrieden mit uns ist, geht es auch gleich los.

Red Bull hat das ganze „Carabello“ direkt am Petriplatz für uns reserviert. Noch ein paar (inwzischen) bekannte Gesichter eingesammelt, dann stehen wir in der kurzen Schlange und lassen uns mit Grillfleisch im Brötchen und Paella bedienen. Ich weiß nicht, ob ich Hunger habe, aber so ein Putensteak im Roggenbrötchen geht immer runter. Und dann erst die Getränkeauswahl!

Feiern in Buxtehude

Zuerst sind wir noch schüchtern, reden, überlegen, ob wir lieber Cola oder Fanta wollen. Doch die Order heißt ja „Ihr könnt bestellen, was ihr wolt.“ Und so schwatze ich meiner Münchner Tischnnabarin (deutlich über 18!) gegen die vom Tempo laufen gekommen Halsschmerzen einen Tee mit Rum auf, den wir auch prompt bekommen. Für mich gibt’s leider bis dahin nur doppelten Espresso (und natürlich Wasser und was es sonst noch so im Zielbereich gab), da ich mit dem Auto in Buxtehude bin und mich noch nach Hamburg chauffieren muss.

Kurz danach haben’s auch die „Kleinen“ begriffen, und tun sich an lecker gemixten Cocktails (naja, mal am Strohhalm nippen – aber wirklich nur nippen – musste sein) gütlich. Wir kommen ins Gespräch, über Sport, Schule, Job, das Leben, sind in der kurzen Zeit irgendwie zum Team geworden. Und weil irgendwann nach allgemeiner Sättigung die Zeit bis zur Busabfahrt (offiziell traf man sich in HH am Hotel und fuhr dann gemeinsam nach B-hude) lang wird, ist irgendwann überall Speiseeis. Auf riesigen Papp-Tabletts reichen wir Pappbecher mit Eiskugeln herum. Rechnerisch wohl für jeden nur eine, aber wer mehr will, hätte das auch locker geschafft.

Dann Abmarsch zur Malerschule, für die anderen „shutteln“, für mich eine Autofahrt mit Partymusik durch die norddeutsche Nacht. Ich verfahre mich nicht mal wirklich, finde nur direkt um die Ecke vom Hotel keinen Parkplatz und schleppe dementsprechend Sack und Pack (Laufklamotten, Merchandies, Ausgehklamotten, Autofahrklamotten…) einmal quer durchs Quartier.

Im Hotel angekommen ist erstmal Chaos, wobei sich dies schnell auflöst als sich herausstellt, dass die Zimmer ohnehin zwar Mannschaftsweise zugeordnet sind (also je 2 Personen teilen sich ein Zimmer), aber natürlich frei belegt werden können. Die Lobby ist loungig-türkis beleuchtet, überall schwatzen Menschen, dazwischen aufgeregte Läuferinnen zwischen (geschätzten) 15 und 50, die einen genialen Tag erlebt haben und sich auf eine ebenso geniale Nacht freuen.

Wohin es geht, wurde bis dato noch nicht gelüftet. Egal, ich muss eh erstmal ins Zimmer, duschen, schick machen. Eigentlich soll es um 23 Uhr losgehen, dann verschiebt sich der Termin auf 23.30 Uhr, was letztlich auch nicht eingehalten wird. Wenn Jungs planen, wie lange Mädels zum umziehen brauchen😉

Aber irgendwann ist auch das geschafft. Wir sind nicht weit weg von der Reeperbahn (wer’s kennt: im neuen Motelone am Michel) und setzen uns zu Fuß in Bewegung. Einen rot belichteten Kilometer und einige finstere Gestalten weiter sind wir endlich da. Ein mittel-unfreundlicher Türsteher lässt uns auf Geheiß des Red Bull-Organisators zunächst durch, fischt dann aber einige jünger Aussehende wieder raus. Sie werden in einer halben Stunde mitsamt Perso (uups, meiner war auch im Hotel) wieder auftauchen.

Auf in die Hamburger Nacht

Das Licht wird rötlich-lila und es duftet nach Aromakerzen. Die Musik hämmert laut, und wir durchqueren den mittelgroßen Club. Am anderen Ende des mit Kniehohen Absätzen gestalteten Raums ist ein kleiner Bereich für uns Reserviert. Wodka, Saft, Wasser und natürlich Red Bull stehen schon bereit. Ein freunlicher junger Mann im schwarzen Anzug sieht zu, dass nur die hier herein gelangen, die es auch sollen (ein Armbändchen in einer bestimmten Farbe weist uns aus).

Nach einem Gläschen Begrüßungs-Prosecco und einem halben Wodka-Mix schleppe ich ein paar Mädels mit auf die Tanzfläche. Wir sind ja schließlich zum Feiern gekommen! Der DJ ist wirklich ein inspirierter. Wie ein Klaviervirtuose tanzt er zwischen Mischpulten und Computerbildschirmen in seiner Box in der Mitte der Tanzfläche hin und er. Was er hervorbringt, ist ein Klanggemisch, das mit seinen allmählichen Übergängen und der Bandbreite, die es abdeckt, besten House- und Techno-Zeiten Ehre macht.

Im Club

Ein, zwei Stunden, irgendwann kommt der Durst. Ich will keinen Wodka mehr, mische mein Getränk zunehmend dünn. Dann nochmal auf die Tanzfläche, aber so weit kommen wir gar nicht mehr. Die Leute tanzen förmlich auf den tischen beziehungsweise hohen Stufen, die den ganzen Club durchziehen. Wir zucken, wiegen uns, rocken im Rhythmus und springen.

Aber irgendwann wird es auch dazu zu eng, und da der Wodka sein Übriges getan hat, kann ich gegen halb 4 glücklicherweise meine Zimmernachbarin dazu bewegen, mich ins Hotel zu begleiten. Zum Glück kann ich am Morgen ausschlafen, während sie einen sehr frühen Zug nach München nimmt.

Aufgewacht kenne ich nur ein Gefühl: Heißhunger! Ich wollte ja laufen gehen, aber das hier ist jetzt erstmal wichtiger. Das Frühstücksbüffet lässt keinen Wunsch offen, wobei mein Appetit alles will und mein Magen „gar nichts“ schreit. Strategisch günstig platziere ich mich an einem hohen Tisch direkt neben der Kaffeemaschine. 3 Tassen, 2 belegte Brötchen und ein Cornflakes-Obstsalat mit Joghurt später kehre ich zurück in mein Zimmer.

Da ich fürchte, noch nicht wieder fahrtüchtig zu sein, plane ich 2 chillige Spaziergeh-Stunden am Hamburger Hafen ein. Gut, dass man aus diesem Motel erst um 12 auschecken muss. Doch das Schicksal meint es anders mit mir. „Spazieren gehen? Du spinnst wohl“, scheint es mir zu sagen. Denn als ich gerade los will – in Laufshirt und -schuhen, aber mit Jeans und warmer Jacke und Fotoapparat in der Tasche – treffe ich Moni. Sie will laufen. Und kaum ist sie an der Ampel, laufen wir gemeinsam.

Ich halte mit. Natürlich. Über die Straße, zu den Landungsbrücken, links am Wasser entlang zwischen den Touri-Massen, die seltsamerweise bereits auf den Beinen sind und dann über die Brücke in die Speicherstadt. Man unterhält sich über dies und das, schwärmt von der schönen Weltstadt Hamburg. Dann sind wir in der HafenCity. Wohl auch schön zum Wohnen. Die Sonne scheint und glitzert von dem vielen sich leicht kräuselnden Wasser wieder. Mir ist warm, mir geht es wieder richtig gut und das Laufen macht auch Spaß.

Dass Jeanshosen für den Laufsport nicht gemacht sind, wusstet ihr wahrscheinlich vorher. Ich hab’s ausprobiert😉 Wieder an den Landungsbrücken, müssen wir ein paar Treppen hoch und runter, um die U-Bahn-Trasse zu überqueren. Langsam kleben die Beine an meinen Oberschenkeln, unterdessen die von der Wärme geweitete Jeans rutscht. Natürlich mache ich trotzdem große Schritte, und weil heute mein Glückstag ist, falle ich auch nicht hin.

Millerntor, Dom, Dom-Park mit wunderschön exotischen Blumen und einem plätschernden Brunne mit großem Wasserbecken. Jetzt ist es gar nicht so heiß, aber die Kühle weiß man trotzdem schon wieder zu schätzen. Noch eine Straßenüberquerung, schon stehen wir wieder vor dem Hotel. Erinnerungsfoto und ausnahmsweise mal keine ungläubigen Blicke (von den anderen Läuferinnen), als wir erklären, dass ich spontan einfach mal so mitgerannt bin.

Jetzt noch gepackt und dann … leider zuende.

In Jeans gejoggt



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