Kleine Kapitulation und selbstgekochtes Menü

13Sep10

Heute Nacht habe ich mal wieder schlecht geschlafen. Geht mir ja immer so, wenn ich früh raus muss und/oder ein hartes Training ansteht. Also um 7 aus dem Bett, obwohl der Wecker erst um 8 klingeln sollte (gestern für Freunde groß gekocht, s.u.).

Die Klamotten inklusive Brustgurt und Garmin sind schnell angezogen. Es ist nicht mal kalt draußen, trotzdem komme ich kaum voran, der erste Kilometer pendelt sich auf bedrohlichen (wenn man einen Tempodauerlauf machen will) 6 Minuten ein. Einen habe ich zwar noch, denn ein bisschen warm- und wachwerden müssen sein, doch auch auf dem zweiten fallen mir 5:24 sichtlich schwer. Ich beginne wirklic, mch zu fragen, wie ich da eine Pace von maximal 4:26 (Marathon-Renntempo minus 10 Sekunden/KM) laufen soll.

Der zweite Kilometer ist nach der Straßenunterquerung vorbei. Passt wie ausgemessen, ist aber einfach nur aufgrund Erfahrungswerten mit der Laufstrecke und ihren vielen Varianten gut geschätzt. Ich gebe meinem Herzen einen Ruck und renne los. Was soll ich sagen: Nicht viel später zeigt Garmin 3:35 an. Nicht schwierig, aber ich bin ja auch gerade mal 200 Meter unterwegs. Also drossele ich das Tempo, wie es meine Eigenart ist aber immer darauf bedacht, bloß nicht über das Soll zu rutschen.

Ich atme nicht mal schwer, die Beine sind so naja, der „Tacho“ pendelt sich zwischen 4:10 und 4:25 ein, während ich mit ausholenden Schritten gegen meine Müdigkeit, den Schweinehund und die Unwägbarkeiten von Schotterwegen ankämpfe. Habe ich Probleme mit der Pace? Eigentlich nerven mich nur die ständigen Blicke auf die Uhr – regelmäßig laufen ist irgendwie nicht meine Stärke. Trotzdem wende ich Motivationstricks an. Besser ist besser, also laufe ich erstmal auf die Hälfte der 10-Kilometer-TDL-Distanz hin.

Bald bin ich aus dem Dorf raus, der Schotterweg wird noch unwägbarer, ich muss über Pfützen springen, Hundeslalom laufen und aufpassen, dass ich nicht von Radpendlern, die ebenso müde aussehen, wie ich mich fühle, im Eifer des Cross-Untergrundes umgesäbelt werde. Noch stimmt das Tempo, ich pushe mich hoch und muss dann sofort wieder drosseln. Das ist es vermutlich auch, was zu den leichten Seitenstichen führt die sich jetzt, ab dem 4. Tempo-Kilometer bemerkbar machen.

„Gleich werde ich 5 haben“, freue ich mich innerlich. Doch während ich das noch denke, werden die Beine merklich müder. Über den sechsten Kilometer quäle ich mich noch im Soll-Tempo, doch auf dem siebten ist damit endgültig Schluss. Ich weiß nicht, ob meine Beine die Kommandos annehmen würde, triebe ich sie jetzt weiter an. Aber ich möchte weder an die „Brechgrenze“ gehen noch erleben, wie mir meine Fahrgestelle montagsmorgens um halb 8 an einem unbelebten weil trüben Tag wegbrechen.

Traurig aber wahr: ich muss nun zum ersten Mal in diesem Training nachgeben, 1:0 für den Trainingsplan. Doch die 5:xx, die manchmal bedrohlich auf de Garmin aufscheint, lasse ich nun wirklich nicht auf mir sitzen. Ich ziehe mich mental wieder hoch, verspreche mir zwei „langsamere“ (4:40er) Kilometer und mache den Deal, auf dem letzten nochmal richtig Gas zu geben. Klappt (natürlich), für jenen stehen am Ende unter 4:10 auf dem Tacho für eine Durchschnitts-Pace (Einlaufen eingerechnet) von 4:36.

War zwar keine Heldinnentat, aber unzufrieden bin ich trotzdem nicht. Immerhin habe ich mich überwunden, aufgerafft und dem Trainingsplan über 8 von 10 Kilometern deutlich Paroli geboten. Und das, obwohl ich gestern neb 15 Regenerations-Kilometern noch gearbeitet und ein 3-Gänge-Menü für Freunde gekocht habe. Gegessen hab‘ ich’s natürlich auch😉 Sagt ja keiner, dass Läuferinnen sich auf null Energie setzen müssen, eher im Gegenteil.

Es gab übrigens kleine Happen (Tortillas und Möhren) mit selbstgemachten Dipps (u.a. Guacamole), Putenschnitzel auf mediterrane Art mit Mischreis, türkischem Schmorgemüse und Tomatensoße und zum Nachtisch Eis mit Obstsalat. Kosten: mindestens 5 Stunden Reschnippel in der Küche und Rückenschmerzen vom Runterbeugen über eine zu niedrige Arbeitsfläche. Geschmack und vor allem Freude, es geschafft zu haben: unbezahlbar. Ein bisschen wie Marathon eben😉



One Response to “Kleine Kapitulation und selbstgekochtes Menü”

  1. 1 Thestral

    Eine Kapitulation kann ich hier nicht erkennen – höchstens zu schnell gelaufene erste TDL-Kilometer. Passiert wohl den meisten von uns.
    An einem müden Montagmorgen in solch einem Affenzahn durch die Gegend zu laufen brächte ich nicht fertig. Ich bin ja schon froh, wenn ich im 10er-WK dieses Tempo annähernd durchhalte😉 .
    Das Menü liest sich richtig lecker 8)
    lG
    Ralph


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