Lautes Denken?

20Apr11

Wenn ich laut denken könnte, ich würd’s tun. So laut, dass auf allen Baustellen im Umkreis die Gerüste einstürzen. Und jede/r, der oder die in meiner Nähe den Rasenmäher anschmeißt, auf der Stelle denkt, das Ding sei kaputt.

Warum ich mir sowas wünsche? Weil ich an meinem Schreibtisch sitze. Mal wieder und eigentlich so wie an jedem Werktag und für eine Doktorandin wahrscheinlich auch gar nicht mit soooo langen Unterbrechungen (Tee holen, Kekse holen, Internet surfen, mal so durch die Wohnung spazieren und wieder zurück…). Und wie der Rhythmus der Arbeitswochen mich so einlullt, die Jahreszeiten kaum bemerkt an mir vorbeistreifen (naja, hier übertreibe ich) und sich mit viel Mühe Bücherstapel endlich verkleinern, stört mich permanent eine weitere Konstante: Lärm. Aus allen Ecken kriecht er hervor, unvermeidbarer, aber noch mehr vermeidbarer. Da gibt es die Baustellen, auf denen tagelang Schutt abgeräumt wird oder der Lastenaufzug läuft. Kommt mir das nur so vor, oder ziehen die sich hin, weil dort immer zu wenig Leute drauf besetzt sind? Da gibt es die Nachbarn in den – vorzugsweise – Einfamilienhäusern, die meinen, zu einem schönen Garten gehöre ein gemähter Rasen. Der Rasen ist bald ein Glatzkopf, so oft werden seine zarten Halme (und meine Ohren) von der vermutlich stumpfmessrigen, auf jeden Fall aber nicht der neuesten Lärmschutzklasse zuzuordnenden Mähmaschine malträtiert. (Gab es die früher eigentlich nicht mal „komplett von Hand“?) Und dann sind da ja noch die Leute, die zwei eigentlich unvereinbare Dinge unbedingt für sich in Anspruch nehmen müssen: laut Fernsehen und frische Luft zum Beispiel oder auf dem Balkon Radio hören. Was alles dazu führt, dass ich zumindest auf frische Luft schonmal verzichte. Zum Konzentrieren, Schreiben, aber auch nachts zum Schlafen (Ruhezeiten ist ja wahrscheinlich ein überholtes Konzept?).

Und das bringt mich an den Ausgangspunkt zurück: Da meine gewöhnlichen Beschäftigungen alle nicht mit viel Geräusch einhergehen, andere aber den ihren hemmungslos nachgehen und mir so die Freiheit einschränken, dies auch zu tun, wünsche ich mir einmal folgendes: herzzerreißend und Mauern einstürzend laut denken zu können. Und dann mit einem Schulterzucken auf Beschwerden zu antworten: Was muss, das muss. Ist schließlich mein Beruf!!!



No Responses Yet to “Lautes Denken?”

  1. Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: