Doppelter Erfolg*

28Mai11

Lange nicht gemeldet auf diesem Kanal. Liegt wohl daran, dass ich (Achtung, es wird „bärtig“) jetzt jede Minute ins Training stecke und kaum noch eine ins Bloggen😉 Das hat viele Vorteile (Fitness, Zeiten, Teint – manche Leute denken schon, ich verbrächte meine Wochenenden neuerdings auf Malle und sogar „Zeiten“). Naja, was halt „Zeiten“ so sind wenn frau in die Jahre kommt und außerdem für einen ganz langen Kanten trainiert und alles andere nur so mitnimmt.

Beispiel: Bödefelder Hollenlauf. Am 14.5. bot sich diese Veranstaltung im Sauerland an, die ich bereits in Unkenntnis einmal wohlweisliche in „Bodefelder Höllenlauf“ umtaufen wollte. Dort gibt es neben 101 und 67 Kilometern, die ich in meinem momentanen Überehrgeiz eigentlich angemessen gefunden hätte, einen Marathon mit 1000 und noch ein paar zerquetschten Höhenmetern, und „dank“ guten Zuredens meines Freundes machte ich mich nach einer unruhigen Nacht (er, nicht ich) und einem deftigen Frühstück (im Schützenhaus und im Preis inbegriffen) dann doch erst um 9 auf den Weg.

Was sich da vor mir und um mich rum auftat, war ganz nach meinem Geschmack: Aufgrund meiner neuen guten Angewohnheit, Höhenprofile im Voraus zu studieren, erreichte ich frohen Mutes an den Fersen der Ersten und knapp mal vor oder hinter der Zweiten (??) die erste Kuppe samt Verpflegungsstation. Zwar darf das mein Freund nicht wissen, aber ich kam bei diesem langsamen Rumgetrippel einfach nicht in Fahrt und musste mich ab da einfach absetzen. Also kleiner Zwischenspurt durch eine Senke – wie so oft laufen wir da, wo’s steil bergauf geht, gar nicht lang – und an den nächsten Mann gehängt mit den Worten „jetzt lassen wir’s richtig krachen“! Er: „Is noch’n bisschen früh!“ Dacht‘ ich im Stillen (und nach meinem Mega-Muskelkater vom Brocken runter, der offensichtlich ein annähernd echtes muskuläres Problem, Entzündung oder so, war) ja eigentlich auch. Aber wo man da im Schatten, zwischen Bäumen und dann auf weichem Gras so schö „downhillen“ konnte, habe ich dieses Flehen der Vernunft natürlich in den Wind geschlagen.

Die mentale Marschroute hieß nun, das erste Drittel zunächst in Würde und Testweise hinter mich zu bringen. Dabei begann eine gewisse Hitze, die ich mirmit langärmeligem Übergangs-Shirt selbst noch einmal heißer gemacht hatte, mir zu schaffen zu machen. Doch als nach ersten wunderschönen Blicken über grüne Täler der Kilometer 14 nahte, gab es eine wunderbare Überraschung, die mir entgangen wäre, hätte ich neben dem Höhenprofil ebenso viel Zeit in das Studium der Streckenführung investiert. Denn: da läuft man noch einmal durch Bödefeld, ganz nah am Start und noch näher an einer Weide vorbei, auf der Kaltblüter gemütlich grasen.

Für solche Anblicke hatte ich allerdings nur periphär Kapazitäten frei. (Für meinen Freund, den ich unterdessen mit einem kurzen T-Shirt herbeisehnte, offenbar gar keine.) Jedenfalls galt es, das Tempo zu halten, während ich in der so empfundenen Gluthitze zunächst durch den Ort, dann durch almenhaft wirkende Bauernhöfe samt Weideland und schließlich wieder straff bergan stapfte. Ein Wasser und eine Cola, dann kam der erste wirklich ernst zu nehmende Anstieg: so 250 Höhenmeter auf 3 Kilometern müssen es wohl bis Kilometer 19,5 gewesen sein, wo ich auf der Verpflegungsstelle „Nasse Wiese“(?) dankbar mit einem Kaffee meine Lebensgeister wieder erweckte, das Traben zwischen grünen Wiesen samt Ausblick genoss und irgendwie aber auch schon wieder auf das wartete, was von dem Läufer weiter vorn als „steiles Stück bei Kilometer 25“ angekündigt war.

Nun ja, ich lief und lief, stolz, bislang nicht gegangen zu sein, und das steile Stück kam nicht. Nur bergab, wo ich natürlich meinem Temperament nach richtig Gas gab und abermals einige Männer überholte. Links von mir teilweise malerische Aussichten, die einem klar machen, warum man sich eigentlich die Lauferei antut, vor mir der Schotterweg, in mir die Überlegung, was wohl wäre wenn und wer wohl könnte falls…

Was auch nicht kam, war eine weitere Verpflegungsstelle, und als diese endlich nach einer Asphaltierten Kurve im Abzweig in einen Ort auftauchte, hatte ich bereits 27,5 Kilometer auf dem Tageszähler. Nun ja: Zwischenzeitnahme, Iso, Wasser, irgendwas gegen die Krämpfe, und dann ging’s richtig los. Zu meiner großen Motivation wurde ich an dieser Stelle von zwei Läufern eingeholt und „hängte“ mich zumindest insoweit an sie dran, dass ich ihre leicht wirkenden Schritte nachzumachen versuchte. Dies muss wohl geklappt haben, zumindest riefen sich die auch sonst immer sehr aufmunternden und rücksichtsvollen Wanderer halblaut zu: „Die sehen irgendwie weniger kaputt aus als wir.“ So viel Gottvertrauen will man natürlich nicht enttäuschen, also Quasi-Sprint bis zur Kehre, doch bevor es flacher wurde, meldete sich die Stimme der Vernunft: Oberschenkel hinten dehnen!

Tat’s und war flugs wieder auf dem Weg, simpler Schotter, trotzdem fehlte mir zunehmend die Flüssigkeit, so dass ich irgendwann fast einen Sturz hingelegt hatte. Dann einen allerletzten Anstieg hoch, Kilometer jenseits der 30 und Verpflegungsstelle unter einem Funkmasten. Kurz bedienen und dann weiter. In meiner Erinnerung ging es von da nur noch bergab. Zur letzten Getränkestelle bei 38 müsste kraxeln, wer nicht vom Geist beseelt ist, jetzt einfach fertig werden und sich selbst überraschen zu wollen. Sie befindet sich auf dem höchsten „Knubbel“ eines Berges direkt neben einer Kapelle. Zwei junge Helfer hören „Das Neueste von heute“ und bieten relaxed Wasser und Cola an. Ich nehme irgendwas, runter geht es steil – und witzigerweise auf einem Kreuzweg. Ich blicke irritiert auf eine der dicht stehenden Kapellchen nach der anderen, während ich aufpasse, meine Füße auf dem steil abfallenden Weg so zu stellen, dass ich hier nicht noch einen Unfall erleide. Und da ist es: Das Knie zwickt.

Nun gut, keine 3 Kilometer mehr bis ins Ziel davon alle bergab. Würde ich hier noch von der Zweiten eingeholt, müsste es mit dem sprichwörtlichen Teufel zugehen. So laufe ich weiter, erreiche irgendwann den Ort, muss ihn dann nahe den „Almwiesen“ auf engem Wanderweg, auf dem mir auch wandernde Trupps entgegen kommen, nochmal verlassen. Die Kilometer ziehen sich irgendwie nochmal. Was einmal „nur noch 2“ waren, dauert auf einmal lange, ich sehe im Geiste den Rest des Weges durch den Ort vor mir, der mir lang erscheint. Doch dann visualisiere ich irgendwie den Zielbogen, freue mich darauf, und bin auf einmal an der Hausecke, wo es links rein geht. Schlussspurt und: vollbracht!

3:57:04 Std. erste Frau und sogar ein vierter Gesamtplatz stehen nach diesen Lauf zu Buche. Eine Veranstaltung, die aufgrund ihrer Atmosphäre, der schönen Strecke, der Verpflegung und rundum übrigens absolut zu empfehlen ist!

Und die Woche drauf der Rennsteig? Ach, das war ja eigentlich der Grund, warum ich mich nicht ganz so auspowern wollte😉

*Bilder folgen, sobald wordpress.com den Fehler in der Upload-Funktion beseitigt hat!



4 Responses to “Doppelter Erfolg*”

  1. 1 Evchen

    Haha, so schnell Du den Lauf hier geprescht bist, so rasant schreibst Du. Amüsant, rasant! Herzlichen Glückwunsch, Oh Du Rakete! Im Übrigen bist Du die einzige laufbloggende Frau, die ich „kenne“, die solche Zeiten reißt.

  2. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg – so hüpft man gerne durch die Berge. Das klingt grandios – toll!

  3. Hallo ihr zwei,
    nett, euch mal wieder auf meinem Blog zu lesen!
    Ja, es hat wirklich Spaß gemacht, so über die Berge zu preschen. Sonst hätt‘ ich’s ja nicht gemacht😉

  4. 4 Andreas

    Hört sich bei dir richtig spannend und interessant an, und ich hatte richtig Lust, auch mal an solch einem „profilierten“ Lauf teilzunehmen. Bis mir der Gedanke kam: Moment, hier geht es um einen Marathon, nicht um 10 km oder einen Halben…
    Aber vielleicht wage ich mich ja noch mal – nach dem Halben im letzten Jahr – an den vollen Rennsteig-Marathon.
    Dir auf jeden Fall Glückwunsch zum perfekt gelaufenen „Höllen“lauf!


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