Die schlechte Nachricht

18Jul11

Das ist eigentlich ein unwürdiger Titel für eine Laufveranstaltung, die eine so abwechslungsreiche Strecke zu bieten hat und so familiär-liebevoll organisiert wird. Aber da ich ja angekündigt hatte, mehr zu meiner persönlichen Tragik beim Bärenfels-Ultratrail zu berichten, jetzt hiermit die offizielle, medizinisch bestätigte Story:
Es waren gerade vielleicht 2 oder 300 Meter gelaufen, und während ich auf den guten Tipp erfahrener Utlras auf der ersten von 3 Runden im Feld zurückfallen ließ, mich dabei einmal mehr fragte, was ich da eigentlich tat und mich zur Ablenkung in ein Gespräch verwickeln ließ, passierte es: umgeknickt, wie ich noch nie umgeknickt bin – mit Schmerzen, wie man sie sich vorstellen kann.
Kurz ärgerte ich mich, machte mich unwirsch seitwärts humpelnd auf den noch kurzen Rückweg der Vernunft. Doch halt! Ich war doch hier angetreten, die Schmach vom Abbruch beim Thüringenultra wieder gut zu machen. Dacht’s, und tat’s.
Was jetzt vor mir lag, waren 3 äußerlich und innerlich ereignisreiche Runden über die einen runden Halbmarathon lange Bärenfelsstrecke. Dabei schlug ich mich gerade an den steilen Anstiegen gut. Zwischendurch wurde ich immer wieder von Läufern angesprochen, die meinen Umknicker gesehen oder – wie ich – womöglich sogar gehört hatten. Wie ich schwankten sie zwischen Unglauben und Aufmunterung, die ich auch fleißig mit einem wahrheitsgemäßen „Ich hab auch vorher geübt!“ quittierte.
Und ich war bzw. bin derzeit fit. Trotz der teilweise sichtbar steilen Anstiege ging ich auf der ersten Runde nur aus Vernunft, auf den beiden folgenden aus Angst um den Fuß. Schwieriger waren die Bergabpaasagen, die es bei 900 Höhenmetern pro Runde in entsprechender Menge und in allen Varianten- auf Schotterwegen, auf Waldwegen und auch auf technisch anspruchsvollen Trails gibt. Dabei blutete mir das Herz fast noch mehr, als mir die Schmerzen zu schaffen machten. Mit wieviel ungestümer Lust hätte ich die technischen Passagen „durchgeknallt“! So blieb an jeder engen Kurve, vor den wenigen Abhängen und zahlreichen Sprüngen immer nur die Sorge, nicht noch mehr kaputt zu machen und so das Rennen zu finishen.
Wie ihr wisst, habe ich das ja geschafft. Glücklich erreichte ich nach selbst gestoppten 8 Stunden und 6 Minuten das Ziel. Das machte einen dritten Platz in der Frauen-Gesamtwertung, ein T-Shirt und ein verdammt zufriedenes Gefühl.
Die Kehrseite ist ein Bänderriss im rechten Sprunggelenk und die daraus folgenden 4 Wochen Sportpause. Naja, Laufpause. Naja…Schnelllaufpause. Oder so. Aber: ich kann derartige Grenzerfahrungen nur empfehlen!



9 Responses to “Die schlechte Nachricht”

  1. 1 Evchen

    Gerade bin ich mir etwas unsicher, ob Du den letzten Satz ernst oder ironisch meinst und ich weiß nicht, ob ich Dir dazu gratulieren sollte? Gute Besserung auf alle Fälle!

    • 2 Christiane

      Danke. Und ja, gratulieren, auf jeden Fall. War ja quasi ein Doppelsieg, über die Strecke und den inneren Schweinehund!!!

  2. 3 Gerd

    Im Augenblick lese ich hier nun wahrlich keine guten Sachen. Wäre toll wenn Du uns mal wieder was Positives zur Abwechslung bietest.
    Die Aktion mit dem „zu Ende laufen“ kommentiere ich jetzt nicht, da ich dann zugeben müsste das ich es auch probiert hätte. Keine Vorbildfunktion.
    Ansonsten drücke ich Dir die Daumen das Du bald wieder schmerzfrei Laufen kannst und vor allem die Geduld aufbringst lange genug zu warten.
    Dein letzter Satz lässt mich da ein bisschen zweifeln.

    Gute Besserung!

    • 4 Christiane

      ;-(
      @Gerd: Wieso eigentlich schlechte Nachricht. 64 Kilometer und 2700HM sind soch ein Erfolg. Geduld habe ich sowieso nicht, aber brauch ich ja auch nicht, Jetzt stähle ich meinen Oberkörper mit Krückenrun!!!

  3. Gute Besserung wünsche ich dir auch!
    Bleib bitte in den vier Wochen vernünftig.

  4. 8 kohlerst

    Den Bärenfels kenne ich auch – da war ich letztes Jahr am Start, es war ein nicht so schönes Erlebnis, da es einen Toten auf der Halbmarathonstrecke (1-Rundenläufer) zu beklagen gab😦. http://www.runningfreaks.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1115:tragisches-ereignis-ueberschattet-7-baerenfels-ultratrail&catid=76:blog-events&Itemid=121
    Die Strecke ist mir also bekannt und ich kenne deren Profil und Schwierigkeiten – umso mehr bin ich über dein Durchhaltevermögen erstaunt, boah, mit einem Bänderriss im Sprunggelenk so ein Ding zu finishen, Wahnsinn!
    Aber hey, ich kann dich so gut verstehen, gerade nach Thüringen, du hast das einfach unbedingt gebraucht, Vernunft hin, Unvernunft her. Und, du lebst noch, also, allen Unkenrufen zum Trotz, nichts passiert!

    Glückwunsch du Torpedo, das hast du super gemacht! (Sieht man ja mal wieder an der Platzierung…;-), sag mal, ohne „Umknickser“, es wäre wieder einmal um den Sieg gegangen, stimmt´s? Zu gut für diese Ultrawelt diese Frau!!

    LG
    Steffen

  5. 9 Ruben

    Jetzt ist ja schon über die Hälfte der Zwangspause vorbei… aber auch von meiner Seite noch liebste Besserungswünsche

    Respekt & Kopfschütteln für die Leistung, den Bärenfels noch zu finishen…


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