Kein A… in der Hose

29Jun12

Es ist wieder passiert. Die Auswahlmannschaft des Deutschen Fußballbundes hat den Sprung auf den Thron bei einem Turnier verpasst. Dabei war es dieses Mal nicht unbedingt zu erwarten.
Klar, brillieren ist etwas anderes, im Laufe der drei Partien, die ich zuvor gesehen hatte, tauchte immer wieder das Phantom meiner Kindheit und frühen Jugend auf: „Rumpelfußball“. Nachdem sich allerdings auch Italien und vor allem Spanien als weniger ästhetisch-gewandt präsentierten als diese deutsche Mannschaft, musste ich das über-selbstkritische Urteil zunächst relativieren. Mag sein, dass die Gegner insgesamt stärker geworden sind und so das Aufscheinen von Genialität seltener möglich machen. Mag sein, dass Regen die Platzverhältnisse beeinträchtigt hat. Und am Ende war es ja die deutsche Elf gewesen, die ihre Vorrundengruppe dominierte wie kein anderes Team.
Dennoch, ich hatte den Eindruck, der Koloss habe bereits gegen Dänemark – Dänemark! – gewankt. Und dass das Griechen-Spiel letztlich so hoch (ja überhaupt) gewonnen wurde, verdankt das Team womöglich stärker Philipp Lahm, als ihm klar und lieb ist. Denn Lahm, dem während der nämlichen Aktion der Trotz eines von seinen Mitspielern allein gelassenen Anführers ins Gesicht geschrieben stand, demonstrierte, was es zum Siegen braucht im Fußball. Können und Mut. Auf dieser Welle schaukelten ein paar faule Genies dann ihren Po ins Halbfinale.
Doch was zeigte die Mannschaft dort? Fahrig, immer mindestens einen Schritt hinter den Italienern, konnte der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock ahnen, dass an diesen Abend ein „Happy End“ nur mit Glück – und das heißt gegen einen entschlossenen Gegner wie diese Italiener – gar nicht drin sein konnte. Eine nicht verwertete Chance in de 6. Minute macht noch keinen Finaleinzug. Und als Fan verspüre ich kein Mitleid, wenn ein Gomez nach einer flachen Hereingabe müde das Bein langmacht, als tanze er Hacke-Spitze. Wenn ein Khedira nicht genügend Durchsetzungskraft und „Wumm“ hat, um den Ball aus dem Fünfmeterraum oder der Distanz reinzumachen. Oder ein Özil mal kurz andribbelt, dann aber durchsetzungsschwach ist und beim unvermeidlichen Pass null Überblick beweist. Den beiden Letztgenannten sind Geld und Elitegetue in Madrid offenbar zu Kopf gestiegen, von den technisch versierten Jünglingen mit Spielwitz und -spaß nichts mehr übrig. Im Zusammenhang mit ihnen zum Beispiel bei SPON das Prädikat „Führungsspieler“ zu lesen, erscheint als blanker Hohn. Und erinnert an die Ära Ballack, wo ein Unfähiger von einer benebelten Presse und einem offenbar pressegläubigen Publikum so lange künstlich im Kreis der Stars gehalten wurde, bis sich das Problem wie durch höhere Fügung von selbst erledigte.
Noch schlimmer, dass einer der wenigen wirklich herausragenden Spieler dieser deutschen Mannschaft in der Reihung der Führungsspieler gar nicht genannt wurde: Philipp Lahm. Immer da, immer kämpferisch, immer zumindest mit mehr Überblick als seine versammelten Mannschaftskameraden, kam ihm gegen Italien die undankbare Rolle dessen zu, der beim entscheidenden Gegentreffer am Nächsten dran stand. Ohne dass es allerdings seine Aufgabe gewesen wäre, anstelle von Hummels oder Badstuber im Strafraum die letzte Bastion zu sein.
Die DFB-Auswahl ist gestern bei der Niederlage gegen Italien in schlimmste Vor-Kilnsmann-Zustände zurückgefallen. Pomadig, selbstgefällig war für sie früh arrogant gewordenen Stars gegen einen erfolgshungrigen Gegner kein Pott zu holen. Dass die Jüngelchen dies spätestens ab der 75. Minute auch dadurch vorausdeuteten, dass sie von Fußballspielen auf Pseudo-Engagement umschalteten, macht es nur noch schlimmer. Neuer vorm Tor: Muss man sich diese Blöße wirklich geben?
Wenn ich so toll bin, warum dann nicht eine Einzelaktion von der Mittellinie? Warum nicht ein paar Pässe zwischen Özil und Khedira flott in Richtung Tor?
Ich bin enttäuscht. Und sage: Dieses Team hat keinen A… in der Hose.



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