Leben

03Feb13

Es ist Mittag. Ich sitze in einem „Backshop“, und es ist verkaufsoffener Sonntag. Die letzten beiden sind Dinge, die ich eigentlich nicht besonders schätze. Doch jetzt genieße ich sie.
Denn ab heute – oder zumindest an sehr bald, nach ein paar kleinen Korrekturen – lebe ich wieder. Das mag pathetisch klingen im Zusammenhang mit der Tatsache, dass man gerade ein längeres Schriftstück über ein mehr oder weniger belangloses akademisches Thema fertig gestellt hat. Es fühlt sich aber kein bisschen übertrieben an. Ich bin von einer Erleichterung erfasst, die mich jedes Mal umzuhauen droht, wenn ich mich nicht tunlichst ablenke. Ein kleines bisschen Stolz bin ich. Und in das alles mischen sich Traurigkeit und Wut über vier verlorene Jahre, deren Ausschöpfung sicherlich auch vielfach ungünstigen äußeren Bedingungen geschuldet war. Auf den Punkt gebracht: würde ich SO trainieren, ohne Kenntnis über die Streckenlänge und -beschaffenheit, ohne eine Ahnung, wie schnell und in welcher Weise andere (ich vermeide hier das Wort „Konkurrenz“) diese bewältigen, ohne zumindest einen Grund-Plan und mit Rückmeldungen, die stets um
4 bis 6 Wochen hinter dem aktuellen Stand zurückhinken – ich könnte vielleicht 5K-Runden um die Häuser drehen. Für größere Vorhaben aber braucht man all das. Wobei ich ja noch ein „leichter Fall“ bin: viel dieser Systematik funktioniert auch subjektiv.

Das war bei der „Diss“ auch so, und es hat mich gerettet! Wenn ich mich also jetzt auf den letzten fünf Kilometern eines Hundertmeilers befinde, dann quasi TROTZ eines versagenden GPS-Geräts. Trotz der Weigerung von Helfern, mir Zwischenzeiten zu sagen oder wenigstens durchscheinen zu lassen, wie lang das Rennen noch sein wird. Uns SOLLTE ich irgendwann in naher Zukunft die Ziellinie überschreiten, dann wird nicht die Freude überwiegen, das Rennen bewältigt zu haben. Sondern nur die, dass es vorbei ist. Dass das wiederkommen kann, wozu wir Menschen hier sind: Leben. Die Höhen und Tiefen mögen kommen, aber man muss sie nicht so künstlich – sträflich – herbeiführen wie in diesem jämmerlichen Prozess, der sich Promotion nennt. Echt nicht!



2 Responses to “Leben”

  1. 1 Sabrina

    Ja, so ist er, der jämmerliche Prozess. Sei froh, dass Du es bald geschafft hast!!


  1. 1 2013 – mein Jahr | Diss-Qualifikation

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: