1. SH-3-Länder-Trail oder Das perfekte Rennen?

09Okt13

Über das lange Wochenende vom 3. Oktober hatte ich mir läuferisch einiges vorgenommen. Zu „4 Marathons in 4 Tagen“ (dazu noch mit saftig Höhenmetern und auf nicht ganz einfachen Trail-Terrain) hatte ich mich im Überschwang des Urlaubs angemeldet.

Am 2. Oktober bin ich mit Michael, Kalle und Sigrid vom berühmten „100 MC“ nach Trier angereist. Nach einem ersten „gewöhnungsbedürftigen“ Abendessen in der JH Trier ging es von dort am nächsten Tag mit dem Bus nach Schengen in Luxemburg. Die Fahrt an der Mosel entlang konnte ich nur im Ansatz genießen. Bei schönem Wetter plagte mich Vorstart-Panik. Gruppenbild am Europa-Denkmal in Schengen, blauer Himmel und angenehme Lauftemperaturen.

1. Etappe: Der Startschuss fällt. Es geht zunächst knapp 2 Kilometer moselabwärts, dann wieder moselaufwärts und quer über die Mosel aus Luxemburg heraus nach Deutschland. Das Tempo auf diesem asphaltierten Stück ist viel zu hoch, ich bin mir nicht sicher, ob wir nicht zeitweilig sogar den 5er-Schnitt unterschreiten.
Nach wenigen Metern entlang einer Landstraße geht es dann nach Frankreich, und nach Überquerung der Straße zum ersten von unzähligen Malen einen Hang hinauf. Mein Atem und Puls gehen schnell, schnell ist auch immer noch das Tempo, und es lässt nicht nach, als wir nach 5 Kilometern den ersten VP in Richtung eines echten Trails im Wald verlassen.
Zu schön, dieser Trail, denn der Trupp kann sich gar nicht von ihm trennen, so kommt der erste „Verlaufer“ zustande. Ich komme erstmals zu Verstand, allerdings nicht in dem Sinne, dass ich Tempo rausnehme, sondern dass mir der Rennverlauf und das Ergebnis nun bewusst egal werden. Ein paar Meter über einen Feldweg, einmal gefragt, und schon sind wir querfeldein wieder auf dem richtigen Weg, „unserem“ Saar-Hunsrück-Steig.
Bald ist auch der zweite VP an der Villa Barg erreicht. „Echt schon 16 Kilometer?“ frage ich Martin, den Verpflegungsmann, ungläubig. Weiter geht es durch eine offene Landschaft, auf Gras und asphaltierten Wegen durch Felder hindurch und über Kuppen, die der Wind recht unangenehm entlang bläst.
Den Rest der Strecke erinnere ich nicht mehr so genau. Zusammen mit Rolf (und immer mehr hinter ihm her) schleppe ich mich bis VP 3. Dahinter ist irgendwann Schluss. Kurz vor einem Wäldchen, an einem Trail mit schöner Aussicht, muss ich auf einer Bank eine Extrapause einlegen. Ich lasse Rolf und auch Kalle ziehen, ein Energieriegel und Wasser aus dem Trinkrucksack geben mir den nötigen Schub, um den Spaß auf den nun folgenden Singletrails wiederzufinden.

Dann ein Parkplatz, ich bin ein wenig orientierungslos im Gewimmel der Feierabend-Spaziergänger und konsultiere ab hier mehrfach die Wegbeschreibung. Kurzer Fotostopp an der Saarschleife „Cloef“, die einer der schönsten Aussichtspunkte Deutschlands sein soll.
An der Saarschleife Cloef
Dann auf teilweise felsigen Pfaden, an Weiden und Weinbergen entlang zurück ins Tal, wo mich ein anhänglicher Hund bis zum VP 4 begleitet. Dass ich so eine gute Läuferin sei, hätte er nicht gedacht, gibt mir Bernhard, der Veranstalter, mit auf den Weg.
Ein anhänglicher Hund
Mein Leiden beginnt jetzt, auf dem Asphaltweg, 7 Kilometer die Saarschleife entlang bis nach Mettlach-Dreisbach. Mir ist schlecht, vor Hitze? Vor Schmerz? Jedenfalls machen meine Fußsohlen Probleme, außerdem habe ich solche Krämpfe, dass ich nachgebe und einen Halt an einer Borsteinkante einlege.
Noch ein Verlaufer in einen Garten, dann sind die wenigen hundert Meter zur Jugendherberge auch geschafft. Ich dusche und bin ansonsten bestimmt nicht sehr gesprächig. Ob ich am nächsten Tag überhaupt an den Start gehe ist die Hauptfrage, die sich mir stellt.

2. Etappe: Ich habe schlecht geschlafen, aber starten tue ich natürlich trotzdem. Es geht nach Weiskirchen, dass dies die schwierigste der vier Etappen ist, erfahre ich zum Glück erst hinterher.
Verhalten trotte ich die ersten Kilometer (der Weg führt zurück die Saarschleife entlang). In Mettlach geht es durch eine parkähnliche Anlage zum Hauptsitz von Villeroy & Boch und dahinter „hoch in den Wald“.
Ab in den Wald
Dafür, wie vorsichtig ich sein wollte, überhole ich jetzt auf den Single Trails ganz schön. Ich sage sogar einem Mitläufer, welchen Spaß mir das macht – sogar bergauf! Und so geht es weiter. Zwar bremse ich mich, doch ich komme auf teils schwierigem, in jedem Fall sehr hügeligen Terrain in Wald und über Wiesen und Felder gut voran. Am VP 2 kommen dann die beiden „Jungs“ aus der Ulmer Gegend in Sicht. Ich wundere mich ein bisschen, will auch erst nicht „dran bleiben“. Aber als sie mich dazu auffordern, gehe ich das erst sehr schnell erscheinende Tempo mit. Unter 5:00 Min/km, teilweise 4:30 Min/km lautet unsere Bilanz, teils auf Waldwegen, teils über Wiesen und auch auf ein paar Singl Trails. Benny tröstet Kay immer damit, dass es ja bergab gehe, ich halte mich raus und wundere mich über mich selbst. Am Losheimer Stausee allerdings wird uns das Spiel irgendwann zu heiß, wir vermissen den VP, und als er endlich kommt, haben wir unter wechselnder Führung so sehr gepowert, dass wir alle total leer sind.
Und wer dachte, die Strecke würde jetzt leichter, der hat einfach nicht mit steinigen Bergpfaden und ans Alpine erinnernde Kraxeleien gedacht. Schön und abenteuerlich, aber auch Kräfte zehrend. Nur blöd, dass der arme Bernd uns am VP 4 mitteilen muss, dass noch 7 (statt erhoffter 4) Kilometer Strecke vor uns liegen. Nach vielem Gehen und einigem Fluchen bergan finde ich meinen Rhythmus und meine Form wieder. Auf den nun folgenden Single Trails lasse ich laufen, ich spüre die Erschöpfung und habe Spaß dran. Wieder ein kleiner Verlaufer, dann ist das Etappenziel in der Jugendherberge Weiskirchen erreicht. Schnell ein Bier für meine Begleiter holen, nicht dass ich am Ende „unten durch“ bin😉



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