Über die Alpen 2013 (7)

06Dez13

Von diesem Tag gibt es leider kaum Fotos. Die Gründe sind zweierlei. Erstens wurden wir getrieben vom Wetter. Ab 12 Uhr sollte ein Unwetter hereinbrechen, doch Lust, einen ganzen Tag auf ein und derselben Hütte zu verbringen,hatten wir keine und beeilten uns so, die nächste (laut Wanderführer 6:46 Std. entfernte) zu erreichen. Zweitens gab es aufgrund des mit der Entscheidung und dem Zeitdruck einhergehenden Stresses Unstimmigkeiten in der Seilschaft.

Nun ja, obwohl ich erst nicht wollte, stand ich dann um 7 Uhr (statt der empfohlenen 6) vor der Lizumer Hütte. Vor mir ein Hochtal und eine Wand aus Schnee und Fels, die es zwecks weiterkommen zu überwinden galt. Das Wetter war mild, um mich herum grüne Weiden, immer wieder quere ich einen unterarmbreiten, plätschernden Bach, um den sich der Pfad schlängelt.

Das Grün geht irgendwann über in Geröll, der Weg wird steiler und die Orientierung in dem Maße unbequemer, wie man selbst seine Serpentinen durch diese ockerbunte Unwegsamkeit bahnen muss. Dann eine scharfe Linksdrehung, und schon sieht man die Stapfen. Sie führen durch ein Schneefeld, und ich bin kurz fasziniert davon, mitten im Sommer durch ein solches zu stapfen:

Schneefeld und Blick zurück zur Lizumer Hütte

Schneefeld und Blick zurück zur Lizumer Hütte

Ich komme besser voran als gedacht, leichter als dieser halbfeste Altschnee kann der Untergrund in den Bergen nicht begehbar sein. Am Ende erreicht man dann wieder – wie eigentlich auf jeder Tagesetappe – einen kleinen Kamm. Ich folge einem Weg, der erst breite wird und dann schräg auf einen weiteren Kamm hin abbiegt. Eine kurze technisch schwierige Stelle erkenne ich auch daran, dass hier der Wegweiser vom zurückweichenden Eis des letzten Winters komplett auf den Kopf gestellt wurde. Dann geht es in Serpentinen hinab. Links, während ich noch versuche, mich an einem schräg abfallenden, steilen Hang aufrecht zu halten, taucht ein tiefblauer See auf.

In der Stimmung zum Baden bin ich an diesem Tag aber irgendwie nicht, und so geht es weiter durch Serpentinen, bis ich schließlich einen breiten Boden erreiche. Von hier blickt man voraus auf den Tuxer Gletscher und davor auf eine schreckliche Wachbeton-Konstruktion, die sich beim Näherkommen als Talstation eines Skilifts entpuppt. Um 11 Uhr, nachdem der Wind stark aufgefrischt ist und die ersten Regentropfen vom nun wolkenverhangenen Himmel fielen, erreiche ich das Tuxer-Joch-Haus.

Im Gegensatz zur Lizumer Hütte ist der Empfang hier herzlich. Ich bestelle Bockwürste mit Brot und kann gar nicht genug davon bekommen, auf der verglasten Terrasse mit Blick auf den Tuxer Gletscher zu sitzen. Mit Roland, der inzwischen auch angekommen ist, werde ich mir hier später einer heiße Dusche teilen (das macht man, wenn jede Minute warmes Wasser richtig Geld kostet!) Es wird ein langer Hüttennachmittag mit viel Essen, guter Lektüre und guten Gesprächen.

Und die Strapazen waren mit dem glücklich vermiedenen Unwetter noch nicht vorbei…



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