Tansania-Bergtouren (5)

29Mrz14

Noch hat uns der Regenwald voll im Griff, aber zum Glück regnet es zumindest in dieser Nacht nicht. Nach einem guten Abendbrot legen wir uns im Rummel des doch sehr beengenden Big Tree Camps in die Schlafsäcke. Schwitzen in denselben und die Aussicht, auf eine der wirklich nicht allzu appetitlichen Toiletten vom Typ „Plumpsklo“ zu müssen, lassen die Nacht zum mittelmäßigen Erlebnis werden.

Mittelmäßiges Erlebnis: Rummel im Big Tree Camp

Mittelmäßiges Erlebnis: Rummel im Big Tree Camp, Foto: TS

Dasselbe gilt übrigens für den Aufbruch mit seinem unvermeidlichen Ritual aus Sonnencreme- und Insektensprayauftrag (in dieser Reihenfolge mit ca. einer halben Stunde Pause dazwischen) sowie der Einnahme der Malariaprophylaxe beim Frühstück.

Einmal auf der Strecke, geht es kühl, da im Schatten der Bäume, aber steil geht es bergan:

Dschungel: Steil bergan im Schatten der Bäume

Dschungel: Steil bergan im Schatten der Bäume

Dann ist der Zauber auf einmal so plötzlich vorbei, als habe sich Gottes Schöpfung ausnahmsweise an die schulbuchmäßige Darstellung von Wissen gehalten. Auf 3.100 Metern wird der dichte Wald durch ebensolches Dornengestrüpp ersetzt:

Auch dicht: Dornengestrüpp

Auch dicht: Dornengestrüpp, Foto: TF

Zudem bleibt es auch noch steil, geht auch noch bergrunter, bevor wir uns wieder bei glitschigen 35 Grad (Steigung) einen Einschnitt des Shira-Plateaus hinaufzwängen. Wie steil es war, beweist der „Anpfiff“, den ich mir beim Schießen des folgenden Fotos geholt habe😉

Zu steil: fragwürdiger Fotostopp

Zu steil: fragwürdiger Fotostopp

Bald darauf jedoch ist der unerträglichste, weil so langsam auch langweilig werdenden Teil bei zuviel Vegetation und zuviel „Fehlgefälle“ überwunden. Rechts und links von uns können wir nun über das Shira-Plateau blicken, das den von Westen aufsteigenden Routen seinen Namen leiht:

Blick frei: Shira-Plateau

Blick frei: Shira-Plateau

Weiter geht es auf einem Grat, der den Vorteil hat, dass man nun das Ende (von was auch immer) erkennen kann:

Grat: Blick aufs Ende von was auch immer

Grat: Blick aufs Ende von was auch immer

Der Weg bleibt steil, felsig und hat sich tief in die eigentlich zu begehende Fläche eingefressen. So sehr, dass ich mir immer wieder seitlich an den Unterschenkeln blaue Flecken hole. Ein weiteres Highlight sind die Grasbüschel-Brücken. Nicht unbedingt vertrauenerweckend ragen sie als nachgiebige Struktur aus der braunen Brühe heraus, die man in diesen Breiten lernt, als Wasser zu bezeichnen. Meine Trekkingstöcke habe ich als Einzige nicht zur Hand, aber es hilft nichts: da muss man drüber:

Rüber da: Grasbüschel-Brücken

Rüber da: Grasbüschel-Brücken

Insgesamt zieht sich der Weg. Und zieht sich und zieht sich. Dann erscheint, gleich nach Erreichen der Kuppe, das typische grüne Dach einer Ranger-Hütte im Nebel. Wir haben das Shira-1-Camp und damit unseren designierten Mittagspausen-Ort erreicht.

Pausenort: Shira 1 Camp

Pausenort: Shira 1 Camp

Der Himmel ist inzwischen vollständig bedeckt, und es geht ein kalter Wind. Eher weniger optimistisch kramt jeder Lunchpaket und vor allem Thermosflasche hervor. Wir entwickeln die Hypothese, dass die Toilettenhäuschen (zumindest die hölzern ausgeführten) nach einiger Zeit einfach um ihre eigene Breite versetzt werden…

Frierend setzen wir den Weg über ein Hochplateau fort. Der Bewuchs wird spärlicher, die Windanfälligkeit dementsprechend höher, und nach einigen Regentropfen nehmen wir „gebrannten Kinder“ die Warnung ernst: anhalten, Hardshelljacke und Regenhose an, weiter.

Drohendes Wetter: Weiter übers Hochplateau

Drohendes Wetter: Weiter übers Hochplateau, Foto: TS

Auf diesem Teilabschnitt mache ich keine Fotos. Denn ganz ehrlich: mir geht es besch… Wahrscheinlich ist mir einfach nur langweilig und dazu kalt und das sind zwei Sachen, die ich schon einzeln nicht leiden kann. Jedenfalls zieht sich die Strecke und zieht sich und zieht sich, bis wir schließlich die Rettungsstraße und kurz dahinter das Simba-Cave-Camp erreichen. An diesem wild-verwunschenen Flecken hätten wir laut unserer Agentur eigentlich nächtigen sollen. Doch dräuende somalische Rebellen machen dies aus Sicht der Nationalparkverwaltung zu einem riskanten Unterfangen. So muss eine Verschnaufpause genügen, während der wir in der namensgebenden Höhle Unterschlupf vor dem wieder besser werdenden Wetter suchen:

Simba Cave: Rast in der "Höhle des Löwen"

Simba Cave: Rast in der „Höhle des Löwen“, Foto: TF

Dann „schlagen“ wir uns nochmal eine von mir nicht gemessene Zeit durch die Unebenheiten einer tristen Landschaft, bis vor uns schließlich eine Felswand wie eine Festung auftaucht. Drei Schritte (wirklich!) unsicherer Blockstolperei weiter, und wir sind endlich dort: nach der üblichen „Bürokratie“ mit Namenseintragung an der Ranger-Hütte) beziehen wir im Shira-2-Camp unsere glücklicherweise trockenen Zelte. Bis zur Dämmerung bleibt auch noch etwas Zeit, Sachen zu trocknen, zu lesen und die „Felsfestung“ zu beklettern😉

Trocknen, lesen, klettern: Shira 2

Trocknen, lesen, klettern: Shira 2, Foto: HB

Dann geht es früh in die Schlafsäcke, denn am nächsten Tag wartet der Weg über den „Lava Dom“ auf uns -Akklimatisierung auf 4.600m!



One Response to “Tansania-Bergtouren (5)”

  1. 1 TS

    Ja, die Situation mit dem Foto-„Anschiss“ war schon komisch😀
    Schönes Foto dennoch…


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