Tansania-Bergtouren (6)

30Mrz14

Wir nähern uns der Sache. Bei der heutigen Etappe kommen wir bis auf einen Tagesmarsch an den Gipfel heran. Und zwischendurch kann auch noch auf 4.600m getestet werden, wie gut wir uns bereits an die Höhe angepasst haben. Doch eins nach dem anderen…

Die Sonne lacht. Das ist gut für die Stimmung, erfordert aber auch ein besonderes gewissenhaftes Auftragen der Sonnencreme😉 Den Kili im Blick, stapfen wir weiter, Wegbeschaffenheit glatt, sanft aber kontinuierlich bergan auf einer Hochebene:

Kili: Kontinuierlich voran

Kili: Kontinuierlich voran

Ganz vorne übernehme ich die „Führung“ der Kolonne. Ich bin einigermaßen stolz, gelernt zu haben, wie man langsam geht. Auf Suaheli heißt das „polepole“, und wenn man gemein ist, kann man durchaus behaupten, dass dies das einzige Wort ist, mit dem Touris und einheimische Bergführer untereinander kommunizieren.

Der Tag eignet sich wirklich für gute Laune. Mühelos setze ich einen gemächlichen Schritt vor den anderen.

Mühelose Schritte: Traumwetter

Mühelose Schritte: Traumwetter, Foto: HB

Während wir so steigen (und steigen), steigt rechts irgendwann der Machame-Grat empor, auf dem die gleichnamige, mehr begangene Route verläuft. Entsprechend viele Träger sind dort unterwegs:

Trägerkolonne: Machame-Route

Trägerkolonne: Machame-Route, Foto: TS

Damit haben wir auch gleich noch ein Gesprächsthema, das ebenfalls gute Laune macht. Wir haben nämlich die richtige (= nicht so überfüllte) Route und mit der Nebensaison auch die goldrichtige Zeit für unsere Tour gewählt.

Hinter dem Grat sieht man in eine weitere Ebene, hinter der in weiter Entfernung der „Lava Tower“, eine Felsformation in Form eines überdimensionierten Schiffsrumpfs, aufragt. Er soll heute unser Mittagsziel sein und uns bei der Akklimatisierung, der Gewöhnung an die Höhe, helfen.

So weit, so gut im Plan. Immer wieder machen wir kleine Pausen, mal im sitzen, mal auch nur im Stehen:

Mal nur im Stehen: Päuschen

Mal nur im Stehen: Päuschen, Foto: TS

Bei der letzten Unterbrechung vor dem Lava Tower holen wir eine andere deutsche Reisegruppe ein. Später im Camp werden zwei der Mitreisenden mir erzählen, dass sie sich bewusst an unsere Fersen geheftet haben: so viel „polepole“ wie der afrikanische Guide konnten die Bergfexe irgendwie doch nicht ertragen. Allerdings ist die Debatte um das Ausmaß von „polepole“ unentschieden, denn…

Wir steigen höher. Vor den „magischen 4.400“ habe ich einigen Respekt. Denn das war die Höhe, auf der es mir auch am Mt. Meru ein bisschen blümerant (Bingo! für die Nutzung eines vom Aussterben bedrohten Wortes) wurde. Und in der Tat stellt sich hier nun etwas Ähnliches ein. Ja, ich komme voran. Klar achte ich darauf, langsam zu gehen. So langsam, dass ich nicht außer Atem komme. „Hecheln“, also auf einen Schritt ein- und auf den nächsten ausatmen, tue ich trotzdem, denn das soll gerade Ausdauersportlern helfen, die Sauerstoffsättigung im Blut hoch zu halten.

Trotzdem muss ich mich am Lava Tower erstmal hinsetzen. Und sitzen bleiben. Ich habe den Eindruck, mir würde sonst schwarz vor Augen. Frieren tu ich sowieso, aber das ist bei dem hereinziehenden Nebel vielleicht auch kein Wunder. Ein bisschen gequält drücken wir uns Teile unserer Lunchpakete rein.

Mittagspause gequält: Lava Tower

Mittagspause gequält: Lava Tower, Foto: TS

Das gilt allerdings nicht für Thomas S., der gleich noch den Lava Tower kletternd (naja, 2-) besteigt!

Ohne Worte ;-)

Ohne Worte😉

Ich glaube nicht, dass ich mich während unserer Dreiviertelstunde Pause in irgendeiner Weise erholt habe. Und da war mir noch nicht klar, welch eine Feuertaufe der Weg wieder hinunter werden würde. Wir verlassen die verbreiterte Fels“nadel“ des Lava Tower Camps Richtung Südosten. Sofort zeigt sich ein steindurchsetzter Pfad, über den ich mehr oder weniger bergab stolpere (die Koordination lässt mit der Sauerstoffsättigung auch nach).

Nicht-zurück-Blick: Lava Tower

Nicht-zurück-Blick: Lava Tower

Außerdem friere ich, nachdem ich die dicke Daunenjacke nach der Pause wieder ausgezogen habe. Man möchte ja meinen, man bewegte sich bei solch einem Abstieg. Doch wird dies eine der denkwürdigen Passagen sein, auf denen wir wortwörtlich alle 10 Minuten anhalten, um eine Kleidungsschicht an, aus oder sogar drunter zu ziehen.

Neuer Sport: Klamotten aus, Klamotten an

Neuer Sport: Klamotten aus, Klamotten an, Foto: TF

Die Sonne verkrümelt sich ebenso schnell wieder, wie sie sich kurz gezeigt hat. Es geht über einen kleinen Wasserlauf, dann flach und irgendwann wieder steiler bergab, womit auch die Vegetation wieder zunimmt.

Mehr Vegetation: Es geht bergab

Mehr Vegetation: Es geht bergab

Der Nebel kommt, der Nebel geht. Die bizarren Senecien werden höher und schaffen es trotzdem, komplett in der trüben Suppe zu versinken.
— Foto folgt —

Ich habe den Eindruck, dass wir sehr langsam unterwegs sind, wie wir nun im unteren Bereich der Route über Wege stapfen, die sich teilweise zu Rinnsalen gewandelt haben. Was nicht heißt, dass man dabei nicht noch die Mehrzahl der Gruppe überholt. Dann, sehr bald, wird es farbefroh schräg unter uns. Wir haben das Barranco Camp erreicht. Dieses zeichnet sich demnach gegenüber Alpenvereinshütten dadurch aus, dass es auftaucht, bevor man es erwartet (und nicht am Horizont erscheint, nachdem man 20 Minuten lang hoffnungsfroh um 100 Ecken gebogen ist ;-))

Farbenfroh: Barranco Camp

Farbenfroh: Barranco Camp

Da die Ranger-Hütte in Gehrichtung am Anfang des Camps liegt, erledigen wir sofort „unser täglich Bürokratie“ und finden uns dann bei unseren Zelten ein. Das Wetter ist aufgeklart, die Sonne scheint. Und doch gibt es ein Problem: Mir geht es nicht gut, Schwäche, Kopfschmerzen.

Als der Rest der Truppe einen Abstecher zu einer nahe gelegenen Höhle unternimmt, bleibe ich daher im Camp, in dem ich ein bisschen unbeholfen herumstapfe. Abends schwöre ich alle darauf ein, womöglich am nächsten Tag nicht weiter (und vor allem nicht höher) gehen zu können.



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